Fasching als politisches Instrument

Fasching, Karneval und Fastnacht haben bestimmte Elemente, die schon seit Jahrtausenden Teil der Tradition sind und der wir uns heute kaum noch bewusst sind. Wenn wir heute die Menschen in den Kölner Gassen fröhlich feiern sehen, dann ist es vielleicht auch gut zu wissen, dass man das so auch schon vor 5000 Jahren an anderer Stelle gemacht hat. Grundlegendes Wesen der Karnevalsvorläufer war nämlich, dass an den Festen jeder teilnehmen durfte und fast alles erlaubt war. Später wurde dies noch mit der Verkleidung verstärkt, die ihren Höhepunkt in Venedig fand. Während der Karnevalsfeierlichkeiten konnte man die sozialen Ketten sprengen, sich von Zwängen befreien und, etwas umgangssprachlich formuliert, “die Sau rauslassen”. Gerade in den katholischen Regionen war das notwendig, weil gleich danach die streng reglementierte Fastenzeit begann. Neben der sozialpsychologische Hygiene bildete sich aber im 19. Jahrhundert noch eine politische Komponente heraus.

Es war schon in den Jahrhunderten zuvor hier und da üblich gewesen, während der Karnevalszeit seine Meinung sagen zu dürfen, wozu auch Kritik an der Obrigkeit gehörte. Dies wurde später dann in den Karnevalssitzungen institutionalisiert. In diesen regiert ein Elferrat (der die Regierung darstellt), es wird ein Prinz gewählt (was die Forderung nach einer Republik unterstreicht), es gibt eine Garde (das Militär) und es gibt die Büttenreden, die eine Satire auf die Reden in den Parlamenten waren. In den Sitzungen wurden die Obrigkeiten sowohl kritisiert als als karrikaturisiert und oftmals lächerlich gemacht. Letzlich versuchte man dem Publikum zu gefallen, was die Wähler darstellte. Man begab sich aber trotz des Freibriefes immer auf dünnes Eis, wenn man die Regierung kritisierte, und musste dies deshalb oft in Form von gereimten Witzen machen, die oftmals sich auch der Parabel bedienten.

Die Umzüge hingegen haben längere Traditionen und auch die damit verbundenen Feste. Sie waren meist nicht politisch sondern zeigten lokale Kultur und Religion auf den Wagen.

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